Zum Hauptinhalt springen

Exkursion nach Sizilien (März 2006)

Das Institut für Römisches Recht veranstaltete im vergangenen März eine Exkursion nach Sizilien. Diese Exkursion fand in Anschluss an unser Seminar im Wintersemester statt, das die rechtlichen Beziehungen Roms zu seinen Provinzen am Beispiel Siziliens behandelte, und diente zur Vertiefung der im Seminar erworbenen Kenntnisse. So erfuhren wir beispielsweise mehr über den Zweck antiker Theater, der weit über die reine Unterhaltungsebene hinausging, über politische und juristische Strategien der Römer, eroberte Gebiete und deren Bevölkerung dem Geltungsbereich ihres Rechts einzugliedern, und das Sakralrecht sowie die gesellschaftliche Bedeutung griechischer und römischer Tempel.

Stationen unserer Rundreise waren unter anderem:

Palermo

In Palermo besuchten wir die juristische Fakultät der Universität Palermo.

Außerdem besichtigten wir unter anderem das archäologische Museum mit vielen Ausgrabungsstücken aus ganz Sizilien, das Castello della Zisa, ein Lustschloss der früheren sizilianischen Könige und die Innenstadt mit dem Dom von Palermo.

Segesta

Der nie fertig gestellte dorische Tempel in Segesta wurde im 5. Jhd. v. Chr. von den Elymern erbaut und ist selten gut erhalten. Der Zweck des Tempels ist völlig unklar, da Tempel dieser Art ansonsten bei den Elymern unbekannt sind. Es wird vermutet, dass Segesta das verbündete Athen um Baumeister gebeten hat, um einen vergleichbaren Repräsentationsbau wie die Tempel des benachbarten Selinunt zu errichten. Eine andere Hypothese besagt, dass der monumentale Tempelbau eine athenische Gesandtschaft von der Macht Segestas beeindrucken sollte, um Athen so zu einem Bündnis gegen Selinunt zu gewinnen.

Seliunt

Im weitläufigen Ausgrabungsgebiet des Archäologischen Parks von Selinunt kann man unter anderem eine Vielzahl alter griechischer Tempel bestaunen, von denen der Tempel C, der vermutlich dem Herakles geweiht war, zum Wahrzeichen von Selinunt geworden ist, seit man im Jahr 1925 12 der insgesamt 42 Säulen wieder aufgerichtet hat. In Selinunt hat man, anders als in vielen Ausgrabungsorten, bewusst darauf verzichtet, den Tempeln, die aus einem Zeitraum von 570 v. Chr. bis zum 3. Jhd. v. Chr. stammen, willkürlich Götternamen zuzuordnen. So kommt es dass die Tempel mit Buchstaben numeriert sind.

Taormina

Das Wahrzeichen von Taormina, das Teatro Greco, ist das zweitgrößte Theater Siziliens und liegt etwas oberhalb des Zentrums, umgeben von einer beeindruckenden Landschaft, die schon Goethe 1787 zum Schwärmen veranlasste.

In diesem Theater, das, ebenso wie viele Theater auf Sizilien, später von den Römern in ein Amphitheater umgebaut wurde, ist das Bühnenbild in weiten Teilen erhalten bzw. wieder aufgebaut worden. Noch immer veranstaltet die Stadt Taormina hier im Sommer Festspiele mit Konzerten, Ballettaufführungen und Theatervorstellungen.

Ätna

Der Ätna ist der jüngste Berg, der auf Sizilien entstand. Vor rund 600 000 Jahren bildete sich der Vulkan, der im Laufe der Zeit zu einer Höhe von über 4000 m aufstieg. Die älteste Beschreibung des Vulkans findet sich bei Plinius dem Älteren.

Von den antiken Völkern wurde die vulkanische Aktivität des Ätna immer wieder mit der Götterwelt in Verbindung gebracht, so versetzte beispielsweise der griechische Mythos das Ungeheuer Typhoeus, den Letztgeborenen der Titanen, auf den Ätna. Auch der Sitz des Feuerschmiedegottes Hephaistos wurde auf den Ätna verlegt: Jedes Mal, wenn Hephaistos, der hässlichste aller Götter, einen Seitensprung seiner Gattin Aphrodite vermutete, schürte er das Feuer zu heftig, so glaubten die Bewohner unterhalb des Ätna, und der Vulkan brach erneut aus.

Heute ist der Ätna, der eigentlich einen Gebirgszug darstellt und an seiner höchsten Erhebung 3354 m misst, der größte Vulkan Europas.

Catania

Catania, die Stadt unterhalb des Ätna, wurde in ihrer wechselvollen Geschichte immer wieder durch die Ausbrüche des Ätna, durch Erdbeben und nicht zuletzt durch Kriege ganz oder teilweise zerstört. Hier wurde uns deutlich, wie die verschiedenen Tyrannen auf Sizilien es durch Umsiedlung ihrer Untergebenen immer wieder zu verhindern wussten, dass sich ein Gemeinschaftsgefühl im Volk, eine mächtige Oberschicht und somit eine potenzielle Gefahr für den Herrscher entwickeln konnte.

Auch in Catania besuchten wir die juristische Fakultät der dortigen Universität, die uns zum einen durch ihre Architektur, vor allem aber durch ihre Bibliothek mit einer umfangreichen Sammlung an internationalen juristischen und auch historischen Zeitschriften beeindruckte.

Syrakus

Das größte und zugleich flachste griechische Theater der Antike steht in Syrakus im Archäologischen Park. Bei einem Durchmesser von 139 m beträgt die Höhe nur 19 m, denn die Stufen der Sitzreihen des Theaters wurden nicht aufgeschichtet, sondern zum Großteil direkt aus dem Fels gehauen.

Neben dem Archäologischen Park, wo sich unter anderem auch das Ohr des Dionysios, ein ohrmuschelförmiges Felsgewölbe mit enormer Echowirkung, befindet, ist auch die Halbinsel Ortygia mit dem Apollotempel, dem Artemistempel und der sprudelnden Quelle der Aretusa sehr sehenswert.

Agrigent

Die letzte Station unserer Reise war Agrigent und das Tal der Tempel. Hier bekamen wir gleich eine ganze Reihe teilweise rekonstruierter Tempel zu Gesicht, darunter auch der Zeustempel, der wohl größte jemals errichtete dorische Tempel. Einen Eindruck von der gewaltigen Größe des Tempel erhält man auch im Archäologischen Museum, in dem neben einem Modell des Tempels auch ein Telamon, eine Riesengestalt aus Stein, von denen insgesamt 14 das Gebälk des Tempels trugen, ausgestellt ist. Durch Ausmessen und Schätzen stellten wir fest, dass diese Figuren, selbst immerhin schon 7,5 m hoch, nur ungefähr ein Viertel der Gesamthöhe ausgemacht haben werden.