Exkursion nach Kleinasien (September/Oktober 2004)
Die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderte Exkursion des Instituts für Römisches Recht der Universität zu Köln unter der Leitung von Professor Dr. Martin Avenarius nach Kleinasien in der heutigen Türkei fand wie geplant vom 19.09. bis zum 02.10.2004 statt. Die Exkursion sollte dem Zweck dienen, die im zivilrechtlich-romanistischen Seminar zum Thema „Die universitas im römischen Recht“ erarbeiteten Kenntnisse über die rechtliche Verfaßtheit antiker Gemeinwesen zu erweitern und vertiefen.
Die Reise führte zu zahlreichen Stadtgemeinden und Heiligtümern wie Ilion/Troia, Pergamon, Ephesos, Milet und Didyma. Die noch heute ungemein beeindruckende Anlage und Architektur der antiken Städte, durch die uns in Pergamon und Priene die dort schon langjährig arbeitenden Archäologen persönlich (Professor Radt und Professor Raeck) führten, faszinierte alle Teilnehmer. Schon bald war man mit den wichtigsten Bauten, den Tempeln, den Theatern, den Thermen, und ihren Funktionen auf gesellschaftlich-rechtlicher Ebene so vertraut, daß Vergleiche zwischen den kleinasiatischen Poleis untereinander – und immer wieder auch zu Rom – gezogen und unsere juristischen Kenntnisse auf diese Weise um viele konkrete Details vertieft werden konnten.
Besonders beeindruckte uns die vielseitige Nutzung und der enge bauliche Zusammenhang der einzelnen Funktionsbauten, an denen sich die enge Verflechtung der privaten und der öffentlichen Sphäre in antiken Gesellschaften – und damit ein wichtiger Aspekt zum Verständnis ihrer rechtlichen Verfaßtheit – deutlich erkennen ließ. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bedeutung des häufig genannten Ausdrucks der antiken „face-to-face-society“ mit Händen greifbar – so etwa, wenn wir gemeinsam die Akkustik von Theateranlagen erprobten oder die Positionierung von Ehreninschriften und -statuen wichtiger Bürger im gesamten Stadtgebiet seiner Polis vor Ort nachvollziehen konnten.
Hilfreich war während der gesamten Exkursion auch der über 180 Seiten umfassende Exkursionsreader, den jeder Teilnehmer bekommen hatte und in dem Fachliteratur sowohl zu den einzelnen besichtigten Poleis und deren grundlegenden Strukturelementen als auch Grundlagenwissen zu klassischer Archäologie und Geschichte vermittelt wurde. Sehr erfreulich war die unbefangene Beteiligung gerade der jüngeren Studenten, die mit Sicherheit in besonderem Maße von der Exkursion und dem Diskussionsklima profitiert haben. Die gemeinsame Entzifferung griechischer Inschriften entwickelte sich regelrecht zu einem Sport, sodaß sich zumeist rasch Trauben von Exkursionsteilnehmern um diese Inschriften bildeten.
Am 22.09.2004 fand ein Treffen mit den Romanisten der Universität Izmir statt. Zunächst besichtigten wir die dortige Fachbibliothek zum römischen Recht. Der Einblick in die in Deutschland kaum rezipierte türkische Fachliteratur war für uns sehr interessant und mündete bereits in einen ersten Austausch von Literatur zum römischen Recht. Im Dozentenzimmer wurde dann bei einigen Gläsern türkischen Tees über die Rolle des römischen Rechts in der türkischen und in der deutschen Juristenausbildung diskutiert.
Landeskundliche Erfahrungen ergänzten die Exkursion. Dabei bildeten die Besuche des bronzezeitlichen Troia und der Kreuzritterburg in Bodrum gewissermaßen die historischen wie geographischen Eckpunkte unserer Reise. Auch die Besuche im Hamam und beim Barbier sowie der belebte Bazar von Tire waren sehr eindrucksvoll. Insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit in der Öffentlichkeit geführten Debatte um einen möglichen EU-Beitritt der Türkei waren gerade die landeskundlichen Programmpunkte der Exkursion von großem Interesse und gaben häufig den Anstoß zu Diskussionen.
Auf einer ganz grundsätzlichen Ebene dürfte ein nicht unbedeutender Ertrag der Exkursion darin liegen, die Studenten in großer Anschaulichkeit dafür sensibilisiert zu haben, wie grundlegend wichtig der historische Kontext einer Rechtsordnung für ihr Verständnis ist. Die verschiedensten steinernen Überreste, die auf den ersten Blick auch von einer modernen Warte aus überzeugend interpretierbar zu sein schienen, entpuppten sich jedoch nach längerer Diskussion über ihre historische Einordnung als Zeugnisse einer von der unseren sehr verschiedenen gesellschaftlichen Realität. In einer unmittelbaren Anschaulichkeit, die eine Seminarveranstaltung so allein nicht leisten kann, wurde so der Blick für die Bedeutung und die Probleme der rechtshistorischen Quellenarbeit entscheidend geschärft.
Insgesamt läßt sich eine durchweg positive Bilanz der Reise ziehen, von deren Ertrag in wissenschaftlicher wie auch allgemeinbildender Hinsicht nicht nur jeder einzelne Teilnehmer, sondern auch durch die Intensivierung des Kontakts zu den Romanisten in Izmir nicht zuletzt das Institut für Römisches Recht dauerhaft bereichert sein wird.
Einzelheiten zu den besuchten antiken Stätten Troia [5], Pergamon [9], Izmir (Smyrna) [14], Ephesos [22], Priene [31], Didyma [33], Milet [32], Sardis [16], Aphrodisias [28], Euromos [35], Halikarnassos [37], Herakleia [34], Magnesia am Mäander [30] und Hierapolis [29]:
Troia
Troia, in der Antike auch Ilion genannt, wurde schon im Altertum mit dem in den homerischen Epen ‚Ilias’ und ‚Odyssee’ bewahrten Sagenkreis in Verbindung gebracht. Beide Werke stammen aus dem 8. Jahrhundert v.Chr. und markieren den Beginn der abendländischen Literatur. Die spannende Frage nach einem in den Sagen enthaltenen historischen Kern und dessen Verbindung zu der Siedlung Troia / Ilion hat erst jüngst zu heftigen Kontroversen in den beteiligten Fachdisziplinen geführt. Im Glauben an die Richtigkeit der Angaben in den homerischen Epen begann Heinrich Schliemann 1870 an dieser Stelle zu graben. Heute unterscheidet man in Troia anhand der Hauptgrabungsschichten 9 Siedlungsperioden, die von 3000 v.Chr. bis ins 5. Jahrhundert n.Chr. reichen und eine überaus wechselvolle Geschichte widerspiegeln.
An diesen Ort führte uns die erste Station der Exkursion. Während des Rundganges durch das Grabungsgelände konnten wir die einzelnen Siedlungsperioden in etwa nachvollziehen. Der Eindruck war insgesamt geprägt durch eine gewisse Unübersichtlichkeit der Anlage. Die im Reader abgedruckten Karten und Informationen leisteten uns bei der Orientierung indes große Hilfe.
Pergamon
Pergamon erlebte seine Glanzzeit im 3. und 2. Jahrhundert v.Chr., als es zur Residenzstadt der Attaliden-Dynastie ausgebaut wurde. Nachdem Pergamon durch Alexander den Großen 334 v.Chr. aus seiner Zugehörigkeit zum Persischen Reich gelöst worden war, fiel es in den Kämpfen der Nachfolger Alexanders 301 v.Chr. an Lysimachos, den König von Thrakien. Dieser ließ seinen Staatsschatz unter Aufsicht seines Heerführers Philetairos in der Stadt verwahren. Philetairos fiel jedoch 283 v.Chr. von Lysimachos ab und begründete mit Hilfe des unterschlagenen Staatsschatzes eine eigene Herrschaft und die Dynastie der Attaliden in Pergamon. Die Attaliden beherrschten das von ihnen errichtete pergamenische Reich bis 133 v.Chr., als der letzte König von Pergamon sein Reich testamentarisch den Römern hinterließ. Nach den Wirren des 1. Jahrhunderts v.Chr. prosperierte Pergamon in der Kaiserzeit und erlebte insbesondere unter Trajan und Hadrian eine letzte Blütezeit. Dem Reisenden muß die Stadt in der Antike einen überwältigenden Anblick geboten haben: Von einem über 100 Meter hohen Bergsockel mit marmorfunkelndem Besatz breitete sie sich fächerförmig den Hang hinab aus. Ihre Ruinen lassen heute noch das Programm hellenistischer Herrschaftslegitimation erkennen.
Hier trafen wir zunächst mit dem Archäologen Professor Radt zusammen. Er führte uns durch das am 08.08.2004 der Öffentlichkeit übergebene Schutzhaus eines hellenistisch-römischen Peristylgebäudes, des sog. „Bau Z“, dessen Ausgrabung von 1990 bis 1993 im Rahmen der Stadtgrabung Pergamon stattgefunden hat. Bei dem Gebäude, das während der Stadterweiterung 180–160 v.Chr. unter König Eumenes II. entstanden ist, handelt es sich vielleicht um das Prytaneion, eine Art Staats-Gästehaus von Pergamon. Jedenfalls handelt es sich nicht um ein Wohnhaus, sondern um ein öffentliches Gebäude im Peristyl-Typus, d.h. um ein Bauwerk mit vielen Räumen, Sälen und Hallen, um einen Säulenhof angelegt und einer insgesamt gewaltigen Baumasse, das in seinem Inneren reich ausgestattet war. Wir konnten zwei fast unversehrte römische Bodenmosaiken in zwei Sälen des Gebäudes mit jeweils dionysischen Motiven und eine aufwendig restaurierte Stuckwand aus der hellenistischen Erbauungszeit besichtigen.
Nach der Besichtigung u.a. des Theaters, des Dionysostempels und des Trajaneums in Pergamon folgte der Besuch der Roten Basilika und des Asklepieion am Fuße des Berges.
Izmir (Smyrna)
Nachdem eine ursprüngliche Siedlung um 600 v.Chr. zerstört worden war, erfolgte auf Veranlassung Alexanders des Großen eine Neugründung der Stadt Smyrna. Im römischen Reich prosperierte sie als eine der Provinz Asia angegliederte, freie Stadt. Der antike Geograph Strabon rühmte Smyrna als eine der schönsten Städte Kleinasiens. Besonders lohnenswert ist sicherlich ein Besuch im Archäologischen Museum der Stadt, das für seine Skulpturen- und Reliefsammlung berühmt ist.
Heute ist die westtürkische Provinzhauptstadt Izmir die drittgrößte Stadt der Türkei und nach Istanbul ihr wichtigster Hafen- und Handelsplatz.
In der Dokuz-Eylül-Universität Izmir fand zunächst das Treffen mit den Romanisten der Universität statt. Daraufhin begaben wir uns in das Archäologische Museum der Stadt, welches Funde aus dem antiken Smyrna, aus Ephesos, Milet, Sardis, Pergamon u.a. enthält. Besonders beeindruckend waren dort neben den zahlreichen Vasen und anderen Grabfunden auch die ausgestellten Tempelfriese, Bild- und Inschriftentafeln. Mit dem Besuch des Basarviertels endete unser Aufenthalt in Izmir.
Ephesos
Ephesos, die Hauptstadt der römischen Provinz Asia, nannte sich selbst in der Antike „die erste und größte Metropole Asiens“. Schon im 6. Jahrhundert v.Chr. war die Stadt reich genug, um einen der größten Tempelbauten Kleinasiens, das zu den sieben Weltwundern zählende Artemis-Heiligtum, in Angriff nehmen zu können. Nacheinander geriet Ephesos sodann unter die Herrschaft der Lyder, Perser, Alexanders des Großen, der Seleukiden und Pergamener, bis es schließlich 133 v.Chr als Teil der pergamenischen Erbschaft an Rom fiel. Nach anfänglichen Konflikten, insbesondere dem blutigen Aufstand gegen Rom im Jahre 88 v.Chr., wurde Ephesos zur bedeutendsten – und neben Pergamon reichsten – Stadt der römischen Provinz Asia. Heute ist Ephesos die reichhaltigste antike Ruinenstätte an der türkischen Westküste. Die meisten der erhaltenen Bauten stammen aus den ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderten. Teilweise wiederaufgerichtete Fassaden, wie etwa die der nach ihrem Stifter benannten Celsusbibliothek, vermitteln einen lebendigen Eindruck des antiken Stadtbildes.
Nicht zuletzt aufgrund dieser Anschaulichkeit antiken Lebens war der Besuch der Ruinenstätte von Ephesos einer der Höhepunkte der Reise. Neben der wiedererrichteten Fassade der Celsusbibliothek beeindruckte auch das unter Kaiser Claudius begonnene und unter Trajan vollendete Große Theater durch seinen guten Erhaltungszustand und die weite Aussicht bis zum ehemaligen Hafen der Stadt. Hier fand der Aufruhr der Anhänger des Artemis-Kultes gegen den Apostel Paulus statt, der daraufhin zu seiner eigenen Sicherheit die Stadt verlassen mußte (Apg. 19, 23 ff.).
Anhand von Inschriften, Bilddarstellungen auf Tempelfriesen und der Lage öffentlicher Bauten sowie einer kurzen Besichtigung auch der Wohnbebauung der Stadt konnten wir uns ein Bild vom gesellschaftlichen Leben in einer griechischen Polis und römischen Provinzhauptstadt machen. Das Artemis-Heiligtum gehörte zu denjenigen Kultstätten, die nach römischem Recht zu Erben eingesetzt werden konnten. Wegen seines ungeheuren Vermögens wurde das Heiligtum als die „Bank Asiens“ bezeichnet.
Priene
Priene ist eine um die Mitte des 4. Jahrhunderts neugegründete Siedlung. Der Ausbau der Stadt, v.a. des bedeutenden Athenatempels wurde mit finanzieller Unterstützung Alexanders des Großen begonnen, wie eine Bauinschrift verkündet. Das Heiligtum konnte jedoch erst im 2. Jahrhundert vollendet werden. Da die Ausbauphase der Stadt in diese Epoche fällt, bietet Priene heute ein gutes Bild einer kleineren hellenistischen Stadt, insbesondere auch ihrer Wohnbebauung.
Die Wohnbebauung und andere Einzelheiten zu Ausgrabung und Konservierung der Bauten erläuterte uns Prof. Raeck von der Universität Frankfurt a.M., der uns durch die Ruinen von Priene führte. Die Neugründung der Stadt im 4. Jh. v.Chr., welche aufgrund der fortschreitenden Verlandung des milesisch-latmischen Golfes durch den Maiandros erfolgte, zeigt trotz steiler Hanglage einen rechtwinkligen „hippodamischen“, nach den Haupthimmelsrichtungen orientierten Plan.
Nach der Besichtigung Prienes folgte ein Ausflug zum Heiligtum Prienes, dem Panionion. Außer den überwachsenen Resten des Bouleuterions, des Ratsversammlungsplatzes, deutet heute fast nichts mehr auf die einstmals – schon von Herodot erwähnte – historische Bedeutung als Ort wichtiger politischer Entscheidungen und religiöse Versammlungsstätte am Heiligtum des Poseidon hin.
Didyma
In Didyma haben sich die Reste eines Apollontempels erhalten, der – durch eine Prozessionsstraße mit Milet verbunden – als eines der größten Heiligtümer Kleinasiens gilt. Der Ort diente schon in vorgriechischer Zeit als Kultstätte. Die griechischen Siedler übertrugen den Kult auf Apollon, und schon im 7. Jahrhundert v.Chr. war das Orakel des Heiligtums so berühmt und einflußreich, daß der Pharao von Ägypten ihm eine Rüstung weihte. In der Blütezeit Milets im 6. Jahrhundert errichtete man in Didyma einen großen Apollontempel, um dem äußerlich unscheinbaren Heiligtum einen seiner Bedeutung angemessenen architektonischen Rahmen zu geben. Nach der Zerstörung durch die Perser zu Beginn des 5. Jahrhunderts v.Chr. begann man erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts v.Chr. mit dem Neubau des Tempels, dessen Ruinen heute zu bewundern sind.
In der Tempelanlage erfuhren wir Einzelheiten über den Ablauf des Orakelkultes sowie über die Architektur von Tempelanlagen allgemein. Darüber hinaus wurden die Reste des neben dem Heiligtum befindlichen Stadions besucht. Das Apollon-Heiligtum zählte zu denjenigen Kultstätten, die nach römischem Recht zu Erben eingesetzt werden konnten.
Milet
Die Handelsstadt Milet erlebte ihre größte Blüte in archaischer Zeit, als die befestigte Stadt ihre weiteste Ausdehnung erreichte. Milet brachte im 6. Jahrhundert so bedeutende Philosophen wie Thales, Anaximenes und Anaximander hervor, die zu den Begründern von Philosophie und Naturwissenschaft zählen. Ein jähes Ende fand die Glanzzeit Milets im Ionischen Aufstand um 500 v.Chr., in dem sich die kleinasiatischen Poleis der Herrschaft perserfreundlicher Tyrannen entledigen wollten. Von der Plünderung und Brandschatzung nach der Niederschlagung des Aufstands erholte sich Milet erst 200 Jahre später. Nach wechselvollen Jahrhunderten, in denen die Stadt unter der Herrschaft der Perser, Alexanders des Großen und seiner verschiedenen Nachfolger (Diadochen) gestanden hatte, wurde Milet um die Mitte des 2. Jahrhunderts v.Chr. wieder selbständig und blieb unter den Römern eine „freie Stadt“ am Rande der Provinz Asia. Von einem erneuten Aufschwung in der Kaiserzeit zeugen zahlreiche Bauten, wie etwa die Faustinathermen, nach der Stifterin und Gattin Marc Aurels benannt, und das unter Kaiser Trajan erbaute Theater.
Milet wurde auf einer 2,5 km langen Halbinsel gegründet und besaß ursprünglich vier Häfen. Heute sind die Ebenen um die Halbinsel vollständig mit den Aufschwemmungen des Mäander aufgefüllt.
Das im 4. Jh. v.Chr. erbaute Theater ist der am besten erhaltene Bau von Milet. Es konnte in hellenistischer Zeit 5300 Zuschauer fassen und erreichte in römischer Zeit (2. Jh. n.Chr.) eine Kapazität von 25.000 Zuschauern. Eindrucksvolle Bogentore führen als Aus- und Eingänge über Galerien zu den Sitzreihen des Theaters.
Sardis
Sardis war die Hauptstadt der Lyder, eines Grenzvolkes, das eine bedeutende Rolle im Kulturtransfer zwischen dem Alten Orient und Griechenland spielte. Unter ihrem wegen seines Reichtums bis heute sprichwörtlichen König Kroisos (Krösus) beherrschten die Lyder den gesamten Westen Kleinasiens. Im 6. Jahrhundert v.Chr. wurde Lydien von den Persern erobert und bis zur Eroberung durch Alexander den Großen im 4. Jahrhundert v.Chr. war Sardis Sitz des persischen Statthalters (Satrapen). Zu Beginn des 2. Jahrhunderts v.Chr. schließlich fiel Sardis zunächst an das pergamenische Reich, welches wiederum im Jahre 133 v.Chr. unter römische Herrschaft geriet. Zu seinen bedeutendsten Ruinen gehören der hellenistische Artemis-Tempel und das römische Gymnasium.
Auf der Fahrt nach Sardis hatten wir die Gelegenheit, beim Karabelpaß das in einen Felsen gehauene Relief eines Hethiterkönigs zu besichtigen, von dem auch Herodot berichtet.
In Sardis erforschten wir die Reste des berühmten Artemistempels und setzten uns mit der von Herodot überlieferten Geschichte der Lyder und ihres Königs Kroisos auseinander.
Aphrodisias
Aphrodisias war in der Antike Zentrum einer römischen Bildhauerschule und ist heute dementsprechend reich an Skulpturenfunden. Seit dem 2. Jahrhundert v.Chr. stand Aphrodisias treu zu Rom, der neuen Herrin Kleinasiens, was sich in zahlreichen Privilegien für das Aphrodite-Heiligtum der Stadt auszahlte. Im Museum von Aphrodisias befindet sich ein Relief, in dem eine Konzeption der universitas auf anschauliche Weise dargestellt wird: Die Polis als Personifikation der Stadtgemeinde bekränzt den Zoilos, einen Bürger und Wohltäter der Stadt (1. Jhd. v.Chr.).
Dieses Relief, einige in ihrer Bildsprache ebenfalls beeindruckende Statuen und interessante Kleinfunde, die das alltägliche Leben der Bewohner der Stadt widerspiegelten, konnten wir dort im Museum besichtigen, nachdem wir den Rundgang durch die antike Stätte beendet hatten. Dieser führte uns zunächst in das späthellenistische Theater, in dem besonders die Bühne und das Bühnenhaus noch gut erhalten sind. Im Stadion von Aphrodisias, das als die besterhaltene Anlage dieser Art der Antike gilt, wurde von einigen Teilnehmern ein "Stadionlauf" durchgeführt.
Euromos
Das Zeusheiligtum von Euromos stellte sich uns als eine noch weitgehend unerschlossene und gerade dadurch sehr reizvolle antike Stätte dar. Die Reste des Tempels, von dessen ehemals 32 korintischen Säulen noch einige in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind, liegen malerisch in einem Olivenhain. Die anderen öffentlichen Gebäude der Stadt sowie die Wohnbebauung sind noch unter dem Gelände verborgen.
Halikarnassos
Die Hafenstadt Halikarnassos, das heutige Bodrum, wurde um 1.200 v.Chr. von dorischen Griechen gegründet und wuchs dank ihres guten Hafens und der fruchtbaren Umgebung rasch zu einem wichtigen Handelszentrum heran. Unter Kroisos (560–546 v.Chr.) unter der Herrschaft der Lyder stehend, geriet Halikarnassos 540 v.Chr. ohne Widerstand an die Perser. Nach der Schlacht von Mykale (479 v.Chr.) kam die Stadt an das Attische Reich. In die folgenden Parteikämpfe war auch der Geschichtsschreiber Herodot (484 bis 452 v.Chr.), der größte Sohn von Halikarnassos, verwickelt. Eine zweite bedeutende Persönlichkeit der Stadt war der persische Satrap Maussolos, der 377 v.Chr. Nachfolger seines Vaters Hekatomnos wurde. Nach seinem Tod errichtete seine Frau und Schwester Artemisia II. (377–353 v.Chr.) zu Ehren ihres Mannes das ‚Mausoleion’, welches einst eines der Sieben Weltwunder war.
Wir konnten im heutigen Bodrum die Reste dieses ‚Mausoleions’ und das Kreuzritterkastell St. Peter mit seinen gut erhaltenen, hoch über dem Meer aufragenden Türmen besichtigen und im dortigen Museum auch sehenswerte Einblicke in die Unterwasserarchäologie gewinnen.
Herakleia am Latmos
Herakleia war zunächst eine karische Stadt, die am ionischen Aufstand gegen die Perser (499–494 v.Chr.) teilnahm und im 5. Jh. v.Chr. zum attisch-delischen Seebund gehörte. Der karische Dynast Maussolos (ca. 375–351 v.Chr.) und später seine Schwester Artemisia II. eroberten die Stadt. Später unterstand Herakleia Alexander dem Großen und seinen Nachfolgestaaten. Unter Lysimachos wurde um 287 v.Chr. die Stadtmauer angelegt. 129 v.Chr. wurde Herakleia mit dem Reich von Pergamon römisch.
Das hervorragenste Denkmal der Stadt sind die weithin sichtbaren Stadtmauern, die sich über eine Länge von 6,5 km erstreckten und mit 65 Türmen verstärkt waren. Wir konnten die Reste der 2–3 m starken und teilweise noch bis zu 6 m hohen Mauern besichtigen. Die Stadt wurde einst trotz der Unebenheit der Landschaft streng nach dem hippodamischen System sich rechtwinklig kreuzender Straßen errichtet; diese geometrische Struktur ist heute nicht mehr erkennbar. Vielmehr bot sich uns ausnahmsweise das Bild einer bewohnten und agrarisch genutzten Stätte. Auf dem Gelände der heute nur noch schwer erkennbaren Agora aus hellenistischer Zeit befindet sich die Dorfschule. Vom Athenatempel aus, der von einem durch Stützmauern gesicherten Hügel aus die gesamte Umgebung beherrscht, hat man einen weiten Blick über den Bafasee und in die felsige Landschaft hinein. Um in das Bouleuterion aus dem 2. Jh. v.Chr. zu gelangen, mußten wir durch den Garten der dort ansässigen Familie gehen und fanden zwischen den schlecht erhaltenen Sitzreihen des an das Bouleuterion von Priene erinnernden Ratsgebäudes eine Schar Hühner und eine Ziege vor.
Magnesia am Mäander
Palaimagnesia (das Alte Magnesia), welches bislang noch nicht entdeckt werden konnte, wurde durch den lygischen König Gyges erobert und stand 680-652 v. Chr. unter dessen Herrschaft. 657 v.Chr. wurde es geplündert und später durch die Hilfe von Milet oder auch Ephesos wieder aufgebaut. Um 530 v.Chr. unterwarf Mezares, der Heerführer des persischen Königs Kyros die Stadt. Nach abenteuerlicher Fahrt verschlug es Themistokles aus Athen 467/466 v.Chr. nach Kleinasien. Er erklärte Palaimagnesia, welches ihm vom persischen König Artaxerxes I. zum Geschenk gemacht worden war, zu seiner Hauptstadt und herrschte dort als Tyrann. Nach seinem Tode geriet Palaimagnesia 431 v.Chr. wieder unter persische Oberherrschaft. Da der Mäander ständig nach Überflutungen seinen Lauf änderte, damit verbundene Seuchen die Bevölkerung dezimierten und um sich besser gegen Angriffe verteidigen zu können, zog die Bevölkerung in der Zeit um 400/398 v.Chr. an den heutigen Ort zu Füßen des Berges Thorax. Von da an lag Magnesia nicht mehr direkt am Mäander, sondern an dessen Nebenfluß Lethaios. Trotzdem blieb der Name der Stadt immer mit dem Mäander verbunden.
Wir besichtigten die Reste des Artemistempels, des viertgrößten Tempels der hellenistischen Zeit und Hauptwerk des Architekten Hermogenes, des Propylons, eines Torbaus, der das Artemisheiligtum mit der Agora verband, und das Theatron, dessen Funktion, obgleich es nach einem Theatern ähnlichen Plan entworfen ist, bislang noch nicht genau bestimmt werden konnte.
Hierapolis
Hierapolis war schon im Altertum bekannt für seine heißen, kalkhaltigen Quellen und die einzigartige Terrassenform, in der sich der Kalk ablagert. Der Ort wurde wahrscheinlich im 2. Jahrhundert v.Chr. von Pergamon aus gegründet und gemeinsam mit diesem 133 v.Chr. an Rom vererbt. Neben zahlreichen Nekropolen, diversen Thermenanlagen und eindrucksvollen Theaterruinen ist in Hierapolis auch ein Ehrenbogen für Kaiser Domitian aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert zu besichtigen. In Hierapolis beeindruckte uns das Theater durch seinen weitgehend erhaltenen Bühnenteil sowie Teilen des früher zweistöckigen Bühnenhauses. In der Nekropole der Stadt setzten wir uns mit Grabinschriften sowie Fragen des römischen Grabrechts auseinander.
Nach der Besichtigung der antiken Stätte folgte der Besuch der berühmten weißen Kalksinterterrassen von Pamukkale, in deren Wassern sich die Teilnehmer noch einmal erfrischen konnten, bevor der Bus zu seiner vierzehnstündigen Fahrt zum Flughafen in Istanbul aufbrach und die Exkursion damit ihrem Ende zuging.